29. Februar 2024

Medikamente (Auswahl)

Diese “klassische” Form einer Behandlung hat in den letzten Jahrzehnten entscheidende Fortschritte gemacht. Dafür sind Fortschritte in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis der Grundkrankheiten wie Herzinfarkt, Bluthochdruck oder auch der Herzinsuffizienz, aber auch das gesundheitliche Verhalten des Einzelnen (Gesundheitsvorsorge – Prävention) verantwortlich zu machen. Die Änderung des persönliche Lebensstils spielt dabei eine besondere Rolle (körperliche Aktivität, Ernährung)

Erklärungen:

Die Niere bildet als Glied der RAA-Kette durch das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) aus dem körpereigenen Botenstoff Angiotensin I die wirksame Form Angiotensin II. Dieser Stoff veranlasst eine Verengung der Blutgefäße, sodass der Blutdruck steigt. ACEHemmer verhindern die Umwandlung und hemmen dadurch die Wirkung des Enzyms.

Substanzen:

Stoffvertreter sind Captopril, Enalapril oder Lisinopril

Indikationen:

Chronische Herzinsuffizienz und Bluthochdruck

Nebenwirkungen:

Reizhusten (bis zu 20%): vermutlich aufgrund einer Akkumulation von Bradykinin. Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit. Blutdruckabfall (dosisabhängig): insbesondere bei Patienten mit schwerer Hypertonie, Aortenstenose, Mitralstenose, hypertropher Kardiomyopathie, Diuretikatherapie oder Leberzirrhose. Reduzierung der Nierendurchblutung, daher bei Nierenarterienstenose kontraindiziert.

Erklärungen:

Die AT1-Rezeptorantagonisten (AT = Angiotensin) oder “Sartane” zählen zu den Antihypertensiva. Sie greifen wie die ACE-Hemmer in das RAA-System ein. AT1-Rezeptorantagonisten sind kompetitive Inhibibitoren, die selektiv am AT1-Rezeptor wirken. Sie antagonisieren dadurch die kardiovaskulären Wirkungen des Angiotensin II.

Substanzen:

Typische Stoffgruppenvertreter:
Valsartan (Diovan ®), Losartan (Lorzaar ®), Candesartan (Atacand ®),
Irbesartan (Aprovel ®), Telmisartan (Micardis ®) und weitere

Indikationen:

Bluthochdruck
chronische Herzinsuffizienz (Valsartan, Candesartan, Losartan)
Z.n. Herzinfarkt (Valsartan) 
diabetische Nephropathie (antihypertensive Therapie: Losartan, Irbesartan)

Nebenwirkungen:

Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit, gefolgt von Husten und orthostatischen Beschwerden. Selten tritt unter Anwendung von AT1-Rezeptorantagonisten ein sogenanntes angioneurotisches Ödem (Quincke-Ödem) auf.

Erklärungen:

Aldosteronantagonisten sind Wirkstoffe, die über eine Blockade an Aldosteronrezeptoren die Wirkung des Steroidhormons Aldosteron aus der Nebennierenrinde hemmen. Sie greifen in das RAA-System ein. Sie werden als Diuretikum eingesetzt, wirken aber auch direkt auf die Kontraktionskraft des Herzens (positive Inotropie).

Substanzen:

Die ersten Substanzen der Gruppe war das Spironolacton. Das peroral applizierbare Spironolacton (Aldactone ®)wird durch Verstoffwechselung in der Leber zur Wirkform Canrenoat überführt.

Eine Weiterentwicklung mit höherer Spezifität stellen Eplerenon (Inspra ®)oder der nicht-steroidale Aldosteronantagonist Finerenon dar. Diese entfalten am Herzen eine Herzkraft steigernde Wirkung.

Indikationen:

Aldosteronantagonisten werden bei primärem (Conn-Syndrom) oder sekundärem Hyperaldosteronismus erfolgreich angewendet. Ferner kommen sie bei Herzinsuffizienz (Eplerenon) sowie bei therapierefraktären Ödemen kardialer, renaler oder hepatischer Genese (Spironolacton) zum Einsatz.

Bei der Herzinsuffizienz kommen Aldosteronantagonisten ergänzend zum Schleifendiuretikum bei der Ausschwemmung von Ödemen zum Einsatz. Als Dauertherapie in niedriger Dosierung wirken Aldosteronantagonisten bei der Behandlung der Herzinsuffizienz lebensverlängernd.

Nebenwirkungen:

Nebenwirkungen sind eine Hyponatriämie, vor allem in Verbindung mit Schleifendiuretika und eine Hyperkaliämie, insbesondere bei Kombination mit ACE-Hemmern. Eine Kontrolle der Elektrolyte in regelmäßigen Abstand ist daher angezeigt.

Bei Spironolacton treten zusätzlich Nebenwirkungen durch die geringe Spezifität für den Aldosteron-Rezeptor auf. Sie können endokrine Nebenwirkungen (Gynäkomastie) verursachen. Diese Nebenwirkungen sind beim Eplerenon nicht zu erwarten:

  • Männer: Gynäkomastie, Impotenz, erhöhte Stimme 
  • Frauen: Amenorrhö, Zwischenblutungen, Brustspannen, Hirsutismus

Weitere Nebenwirkungen sind: 

  • allergische Reaktionen 
  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö
  • ulzerogene (Auslösung von Magengeschwüren) Wirkung mit erhöhtem Risiko für gastrointestinale Blutungen

Erklärungen:

Betablocker (BB) können selektiv oder unselektiv β-Adrenozeptoren des menschlichen Organismus blockieren. Sie wirken demnach als Antagonisten natürlicher oder synthetischer β-Sympathomimetika und üben eine Bremswirkung auf diese Einflüsse aus.

Substanzen:

Man unterscheidet selektive (praktisch nur auf das Herz wirkende) BB von den nicht selektiven BB, die auch eine Wirkung auf die peripheren Gefäße haben können,

  1. Selektiv: Atenolol (Tenormin ®), Acebutolol (Prent ®), Metoprolol (Beloc ®), Bisoprolol (Concor ®)
  2. nicht selektiv:
    1. Carvedilol (Querto ®): zusätzliche Blockade von α1-Rezeptoren
    2. Sotalol (Sotalex ®): zusätzliche Verwendung als Klasse-III-Antiarrhythmikum
    3. Celiprolol (Selectol ®): zusätzlicher β2-Agonismus
    4. Nebivolol (Nebilet ®): zusätzliche Stimulation von NO-Freisetzung in Endothelzellen

Indikationen:

  • Arterielle Hypertonie
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzinsuffizienz
  • Tachykardie und andere kardiale Arrhythmien
  • portale Hypertonie bei Leberzirrhose
  • Hyperthyreose
  • Glaukom
  • Phäochromozytom (Cave: nur in Kombination mit α-Adrenozeptorblockern)
  • Migräneprophylaxe
  • essentieller Tremor
  • Sick-Sinus-Syndrom nach Implantation eines Herzschrittmachers
  • Akute Panikattacken (vor allem Propranolol)

Nebenwirkungen:

Allgemeine Wirkungen:
Initiale Gewichtszunahme (vor allem bei adipösen Jugendlichen)
Potenzstörungen

Herz-Kreislauf-System:
Blutdruckabfall
Bradykardie
Arrhythmien (besonders bei Verwendung von Sotalol)
Periphere Durchblutungsstörungen durch Vasokonstriktion der Gefäße in Haut und Extremitäten (durch β2-Blockade)
Lunge:
Verstärkung eines Asthma bronchiale (durch β2-Blockade)
Stoffwechsel:
Verstärkung der Risiken eines Diabetes mellitus (sowohl Hyper- als auch Hypoglykämien sind durch β2-Blockade im Pankreas bzw. in der Leber möglich)
Erhöhung des Cholesterinspiegels im Blutplasma
Nieren:
Klinisch nicht relevante Reduktion der glomulären Filtrationsrate

Daraus ergeben sich Kontraindikationen:

  • Schweres Asthma bronchiale
  • Vorbestehende Bradykardie mit einer Herzfrequenz unter 50 bpm
  • AV-Blockade
  • Schlecht eingestellter insulinpflichtiger Diabetes mellitus mit Hypoglykämien
  • Prinzmetal-Angina

Erklärungen:

Als Calciumantagonisten werden Substanzen bezeichnet, die selektiv den spannungsabhängigen Einstrom von Calcium durch einen  zellulären Calciumkanal blockieren und andere Calciumkanäle nicht beeinflussen. 

Substanzen:

Zwei Gruppen

Dihydropyridine: 
Nifedipin (Adalat ®), Nitrendipin (Bayotensin ®), 

Benzodiazepine;
Diltiazem (Dilzem ®)
Verapamil (Isoptin ®)

Indikationen:

  1. Gruppe: Angina pectoris, Bluthochdruck
  2. Gruppe: supraventrikulärer Tachykardien.

Nebenwirkungen:

Eine Kombination von Calciumantagonisten des Diltiazem- oder Verapamil-Typs mit Betablockern ist aufgrund einer schädlichen Herz-Wirkung (sog. negative Inotropie) zu vermeiden.

Erklärungen:

  1. Statine
    Statine hemmen die Aktivität der HMG-CoA-Reduktase. Der daraus resultierende verminderte LDL-Cholesteringehalt führt zu einer kompensatorisch erhöhten Synthese von LDL-Rezeptoren bei Hepatozyten, sodass mehr LDL-Cholesterin in die Zellen aufgenommen wird, wodurch dessen Serumspiegel sinkt. Neben einer direkten Hemmung der Biosynthese des Cholesterins erfolgt also indirekt eine Verschiebung des Cholesterins aus dem Blut in die Zellen.
  2. PCSK9-Hemmer: PCSK9 ist ein Enzym, das an LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche von Leberzellen(Hepatozyten) bindet und ihren Abbau in den Lysosomen fördert. Die Hemmstoffe bewirken, dass das Enzym nicht mehr an die LDL-Rezeptoren binden kann. In der Folge wird daher der Abbau der LDL-Rezeptoren vermindert, so dass sich ihre Konzentration in der Zellmembran erhöht, was zu einer Reduktion des LDL-Cholesterins (LDL-C) im Blut führt, das vermehrt in die Leberzellen aufgenommen wird.
    Ein ähnliches Prinzip liegt der neuen Stoffklasse der auf der Genomebene wirkenden RNA-Interferenz-Substanzen (siRNA-Prinzip – Inclisiran) zugrunde.
    Zitat Dtsch. Herzstiftung 3.1.2023: “Das Besondere: Die Substanz greift direkt und hochspezifisch in den genetisch programmierten und über RNA vermittelten Produktionsprozess des Enzyms PCSK9 ein. Unsere Erbinformation selbst, die DNA, wird aber nicht durch diesen Wirkstoff in  berührt, nur die Übermittlung der genetischen Information.”
  3. Resorptionshmmer: Ezetimib reduziert die Aufnahme des über die Nahrung zugeführten (exogenen) Cholesterins ebenso wie des über die Galle ausgeschiedenen (endogenen) Cholesterins. Es kommt zwar kompensatorisch zu einer erhöhten endogenen Cholesterinproduktion in der Leber, in Summe wird der Spiegel des LDL-Cholesterin im Blut jedoch um etwa 20% gesenkt.
  4. Fibrate: Fibrate blockieren – ähnlich den Statinen – die überwiegend nachts stattfindende Cholesterinsynthese in der Leber. Diese verläuft unter der Wirkung dieser Arzneimittel wesentlich langsamer. Außerdem blockieren Fibrate die ebenfalls durch die Leber indizierte Freisetzung von VLDL. Diese Lipoproteine transportieren Cholesterin von der Leber in die Peripherie, wo es an arteriosklerotischen Prozessen beteiligt ist.

Substanzen:

  • Statine: Atorvastatin (Sortil ®), Rosuvastatin, weitere
  • PCSK9-Hemmer: Evocolumab; Repatha ® (monatliche Injektionen)
    Inclisiran: Leqvio ® (jährliche Injektionen)
  • Resorptionshemmer: Ezitimib
  • Fibrate: Clofibrat (ausser Handel) Gemfibrozil: Gevilon ®
  • ASO: Antisense-Oligonukleotid – Pelacarsen (engl.) als effektives Mittel zur Senkung von Lp(a). Das Mittel ist noch nicht zugelassen.

Indikationen:

Statine:

Statine sind Mittel der ersten Wahl bei Hypercholesterinämie bzw. Hyperlipidämie (mit vorherrschender Hypercholestereinämie). Sie werden jedoch auch bei Hypertriglyzeridämie eingesetzt. Darüber hinaus werden Statine auch zur Primärprävention eines Infarktes bei einem Diabetes mellitusTyp 2 und zur Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt eingesetzt, um das LDL auf Werte unter 100 mg/dl oder bei Hochrisikokonstellation gar unter 70 mg/dl zu bringen. 

PCSK9-Hemmer:

PCSK9-Hemmer (Repatha ®) kommen bei Patienten mit Hypercholesterinämie zum Einsatz. Aufgrund der zurzeit (2019) hohen Kosten (ca. 9.000 €/Jahr) werden sie nur eingesetzt bei familiärer Hypercholesterinämie und therapierefraktärer Hypercholesterinämie mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, wenn die Standardtherapie mit Statinen plus Ezetimib ausgereizt wurde und der LDL-Wert immer noch über 140 mg/dl liegt.

Resorptionshemmer:

Ezetimib (Ezetrol ®) wird – immer in Kombination mit einer Diät – zur Behandlung verschiedener Fettstoffwechselstörungen eingesetzt, z.B. bei

  • Primäre Hypercholesterinämie in Kombination mit einem Fibrat, wenn die Therapie mit einem Statin allein nicht ausreicht.
  • Primäre Hypercholesterinämie als Monotherapie, wenn ein Statin ungeeignet ist oder nicht vertragen wird
  • Homozygoter familiärer Hypercholesterinämie (HoFH) in Kombination mit einem Statin

Fibrate:

Fibrate werden zur medikamentösen Therapie von Fettstoffwechselstörungen eingesetzt. Sie werden insbesondere bei Hypertriglyzeridämie eingesetzt, um Nebeneffekte wie rezidivierende Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) zu verhindern. Weiterhin kommen sie bei einer Hypercholesterinämie in Kombination mit Statinen zur Anwendung, um der Entwicklung einer Atherosklerose und den daraus resultierenden, kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen. Fibrate werden aber auch dann eingesetzt, wenn der Patient bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte (Sekundärprophylaxe).

Nebenwirkungen:

Statine:

Häufige Nebenwirkungen von Statinen sind:

  • Dyspepsie
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Muskelschmerzen

Nur selten tritt eine Muskelerkrankung mit Erhöhung der Kreatinkinase (CK) bis hin zur Zellzerstörung (Rhabdomyolyse) auf. Das Risiko ist erhöht im Alter, bei Niereninsuffizienz, Einnahme von Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin A), Niacin oder Fibraten. Daher sollte bei entsprechenden Symptomen die CK bestimmt werden. Je nach Symptomatik ist eine bis zu 5-fache Erhöhung tolerabel. Die Laborwerte sollten vor Therapiebeginn, nach 2 bis 3 Monaten und dann jährlich kontrolliert werden. Falls keine Symptome bestehen und die Erhöhung unter der 3-fachen Norm bleibt, ist Absetzen i.d.R. nicht notwendig.

PCSK9-Hemmer:

  • Müdigkeit
  • Gelenkschmerzen
  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Muskelzell-Untergang, Rhabdomyolyse

Resorptionshemmer:

Ezetimib weist eine relativ gute Verträglichkeit auf. Jedoch können gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Diarrhoe (Steatorrhoe) beobachtet werden, die sich durch den erhöhten und nicht resorbierten Lipidgehalt im Darm erklären lassen.

Fibrate:

  • gastrointestinale Beschwerden
  • Gallensteine: Anstieg der Cholesterinkonzentration der Galle
  • Myalgie mit CK-Anstieg: insbesondere bei Nierenerkrankungen

Erklärungen:

Digitoxin (Digimerck ®)ist ein natürlich vorkommender Wirkstoff aus der Gruppe der Herzglykoside, der zur Therapie von Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Er wird aus den Blättern des Fingerhuts (D. purpurea) gewonnen. Entdeckung W. Withering 1785, der den Aufguss zur Behandlung der Herz-Wassersucht benutzte.

Digoxin (Novodigal ®)ist ein Wirkstoff, der zur Gruppe der Herzglykoside, genauer der Cardenolide, gehört. Er wird aus den Blättern des Fingerhuts (D.lanata) gewonnen. Entdeckung 1930 S. Smith.

Wirkung

Die Wirkungen von Digoxin beruhen – wie die von Digitoxin – auf der Hemmung der membrangebundenen alpha-Untereinheiten der Natrium-Kalium-ATPase. Digoxin beeinflusst dadurch indirekt den Austausch von Natrium- und Calcium-Ionen über den Natrium-Calcium-Antiport, was zu einer erhöhten Ca2+-Konzentration in den Herzmuskelzellen und damit zu einer Aufnahme von Calcium in das sarkoplasmatische Retikulum führt. Dadurch nimmt die Kontraktionskraft des Herzmuskels zu. Das nennt man positive Inotropie

Die Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase soll auch die Sensitivität der Barorezeptoren verbessern, was die neurohormonellen Effekte von Digoxin erklärt. Zusätzlich soll es den Nervus vagus am Herz stimulieren, was die Erregungsweiterleitung verzögert. Digoxin wirkt somit auch negativ dromotrop (pulsverlangsamend).

Substanzen:

Digoxin: Novodigal, Lanicor

Digitoxin: Digimerck

Indikationen:

Die Digitalisierung von Patienten mit CHI ist heute nicht mehr die Therapie der ersten Wahl, da frühere Untersuchungen zeigen konnten, dass die Mortalität unter Digitalistherapie höher ist als bei Patienten ohne Digitalis.

Digoxin und Digitoxin können bei chronischer Herzinsuffizienz sowie bei einigen Formen der Tachyarrhythmie eingesetzt werden. Sie unterscheiden sich in ihrer Aufnahme- und Ausscheidungskinetik: Digoxin wird überwiegend über die Leber verstoffwechselt, Digitoxin dagegen wird über die Niere ausgeschieden, sollte daher bei Nierenerkrankungen eher nicht verordnet werden.

Nebenwirkungen:

Nebenwirkungen erstrecken sich überwiegend auf das Reizleitungssystem des Herzen und können Leitungs-Blockierungen und HRS auslösen. Extrakardial können Farbensehen und Übelkeit/Erbrechen ausgelöst werden.

Die Erhaltungsdosis von Digoxin beträgt 0,2 – 0,4 mg/Tag.
Digoxin hat eine geringe therapeutische Breite, da es über die Nieren ausgeschieden wird.

Digitoxin hat eine etwas bessere therapeutische Breite, denn es wird über die Leber “entgiftet”. Die Dosierung wird individuell nach dem Behandlungserfolg festgelegt. Bei Erwachsenen beträgt die Erhaltungsdosis etwa 0,001 mg/kgKG täglich. 

Serumspiegel:

Digoxinspiegel: 1,1-1,4 ng/ml toxisch: >3

Digitoxinspiegel: 12-25 ng/ml toxisch >30

Erklärungen:

Ein Diuretikum ist ein Arzneimittel, das die Harnausscheidung (Diurese) fördert. Diuretika werden insbesondere zur Therapie von Ödemen und arterieller Hypertonie eingesetzt.

Sie wirken über die sog. Tubuli der Niere, indem sie Elektrolyte (Natrium, Kalium) und damit auch Wasser ausscheiden. Man unterscheidet sog. Schleifendiuretika, kaliumsparende D. und Thiaziddiuretika. Elektrolytkontrollen sind bei der Therapie unverzichtbar.

Substanzen:

  • Schleifendiuretika: Furosemid (Lasix ®), Torasemid (Torat ®)
  • Thiaziddiuretika: Hydrochorothiazid HCT
  • Kaliumsparende Diuretika: Aldactone, Moduretik

Indikationen:

  1. Ödemreduktion, speziell bei der akuten und chronischen Herzinsuffizienz)
  2. Niereninsuffizienz
  3. Hypertonie (Bluthochdruck)
  4. Intoxikationen
  5. sonstige (Hirnödem, Glaukom, Höhenkrankheit)

Nebenwirkungen:

  1. Elektolytstörunge (Natrium- und Kaliumverlust)
  2. Neigung zu Blutzuckererhöhung
  3. Gichtprovokation
  4. LDL- und Triglyceridsteigerung
  5. allergische Reaktionen 
  6. erektile Dysfunktion

Erklärungen:

Antikoagulantien oder auch Gerinnungshemmer sind Medikamente, die die Blutgerinnung(Hämostase) hemmen. 

Im erweiterten Sinn werden manchmal auch Wirkstoffe, die einen Einfluss auf die Thrombozytenfunktion haben (z.B. ASS), als Antikoagulantien bezeichnet. Sie bilden jedoch als Thrombozytenaggregationshemmer eine eigene Wirkstoffklasse und sind von den Antikoagulantien abzugrenzen.

Antikoagulantien werden in der Medizin dazu verwendet, die Bildung von Thromben zu verhindern (Thromboseprophylaxe). Sie kommen vor allem perioperativ und präventiv zum Einsatz.

Substanzen:

Antikoagulantien können sehr unterschiedlichen Wirkstoffklassen angehören. Sie lassen sich unter anderem einteilen in:

  • Heparine
    • Unfraktioniertes Heparin (UFH)
    • Niedermolekulares Heparin
  • Vitamin-K-Antagonisten bzw. Cumarine (z.B. Phenprocoumon, Warfarin=Marcumar)
  • Direkte orale Antikoagulantien (neue AK; NOAC, DOAC)
    • Thrombinhemmer (z.B. Dabigatran)
    • Faktor-Xa-Hemmer (z.B. Rivaroxaban, Apixaban)

Indikationen:

Antikoagulantien werden in der Medizin dazu verwendet, die intravasale Bildung von Thromben zu verhindern (Thromboseprophylaxe). Perioperativ senken sie das Auftreten von Lungenembolien. 

Ein Antikoagulation ist auch bei der Durchleitung von Blut durch einen extrakorporalen Kreislauf, z.B. im Rahmen einer Hämofiltration notwendig.

Bei Herzklappenersatz oder Vorhofflimmern dienen Antikoagulantien der Verhütung eines Schlaganfalls.

Bei bereits eingetretener Thrombose verhindert die therapeutische Antikoagulation eine Vergrößerung des Thrombus.

Nebenwirkungen:

Coumarine: Steuerung durch INR-Bestimmung

Xa-Hemmer und Thrombinhemmer benötigen keine Steuerung.

Allgemeine Blutungsneigung bei Überdosierung und während chirurgischer Eingriffe, sodaß sowohl die Dosierung als auch Zeitpunkt der Eingriffsindikation jeweils überprüft wetten müssen.

Erklärungen:

Hypotonie: Als Hypotonie bezeichnet man Blutdruckwerte unterhalb von 100/60 mmHg. Im Gegensatz zur Hypertonie besteht jedoch nur beim Auftreten von Beschwerden Handlungsbedarf von ärztlicher Seite.

Es gibt ganzheitlich-medizinische Massnahmen gegen zu niedrigen Blutdruck, der bei ansonsten meist jungen Gesunden zu Symptomen führen kann. Die diagnostische Abgrenzung von einer somatischen Erkrankung kann schwierig sein, da die Differentialdiagnose die Abklärung eines Ohnmachtanfalls (Synkope) einschließt.

Die häufigste hypotone Kreislaufstörung ist die Orthostasereaktion des leptosomen Untrainierten, bei dem es beim Lagewechsel (Liegen – Stehen) zu Schwindel und Ohnmachten kommen kann.

Substanzen:

(Theadrenalin-Cafedrin (Akrinor), Etilefrin (Effortil)

Indikationen:

Akrinor ist ein Notfallmedikament (Schock-Hypotonie) und kann nur intravenös verabreicht werden. Bei nachgewiesener Orthostase-Reaktion ist Effortil in Tropfenform angezeigt.

Nebenwirkungen:

Effortil: Herzklopfen. Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen

Erklärungen:

Als Neprilysin-Inhibitoren bezeichnet man Arzneistoffe, die das Enzym Neprilysin hemmen, das für die Inaktivierung vieler Peptidhormone zuständig ist.

Sie verhindern damit vor allem den Abbau des ANP, das bei der Herzinsuffizienz die Volumenregulation übernimmt.

Die wichtigste Indikation für eine Behandlung mit Neprilysin-Inhibitoren ist die  chronische Herzinsuffizienz in Kombination mit einem Sartan als Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI). 

Darüber hinaus wird die Wirkstoffgruppe experimentell zur Analgesie und zur Blutdrucksenkung eingesetzt. Genaue klinische Anwendungen stehen hier allerdings noch aus.

Substanzen:

Sacubitril

Indikationen:

chronische Herzinsuffizienz

Nebenwirkungen:

Die Kombination ist sehr gut verträglich. Die Nebenwirkungsrate ist nicht nicht ausreichend untersucht.

Es können u.a. folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Angioödeme
  • Hyperkaliämie
  • Anämien
  • Hypotonie
  • Nierenfunktionsstörungen

Die Langzeitnebenwirkungen von Sacubitril sind bisher (2018) noch ungenügend untersucht. Die Hemmung von Neprilysin führt möglicherweise zur Bildung von Beta-Amyloiden, die bei der Alzheimer-Krankheit eine wichtige Rolle spielen. Versuchstiere, bei denen Neprilysin ausgeschaltet wurde, zeigten alzheimerähnliche Symptome.

Es sind weitere Langzeitstudien notwendig, um zu überprüfen, inwieweit die in vitro nachgewiesene Hemmung des Abbaus von β-Amyloid beim Menschen relevant ist und einen messbaren Einfluss auf die Kognition hat.

Erklärungen:

Nitrate bewirken pharmakologisch die vermehrte Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) durch Endothelzellen. Dadurch kommt es zu einer Relaxation der Gefäßmuskulatur.

Durch diesen Wirkmechanismus erweitern Nitrate die venösen Kapazitätsgefäße und vermindern den Blutrückfluss zum Herzen, was eine Senkung der Vorlast und eine verbesserte Durchblutung des Herzmuskels nach sich zieht. Die Symptome einer durch Minderperfusion ausgelösten Angina pectoris bessern sich dadurch. In höherer Dosierung kommt es zusätzlich zur Weitstellung der arteriellen Gefäße und damit zu einer Nachlastsenkung.

Substanzen:

  1. Glyceroltrinitrat (Nitroglycerin) 
  2. Isosorbiddinitrat
  3. Isosorbidmononitrat

Indikationen:

(1) ist das klassische Akut-Medikament zur Unterbrechung eines Angina-pectoris.Anfalls.
(2) und (3) dienen der Anfallsprophylaxe als Dauermedikation

Nebenwirkungen:

Wirkabschwächung (Toleranz), Blutdruckabfall, Kopfschmerzen (Nitratkopfschmerz)

Erhöhte TG (>150 mg/dl) gelten als unabhängiger RF für KHK. Als neue Medikation zur Senkung der TG wird hier eine Omega-3-Fettsäure-Zubereitung mit dem Handelsnamen Vazkepa verwendet: Dosierung 4 Kps. zu 998 mg. Als Nebenwirkungen werden Obstipation, Gichtanfälle oder Muskelschmerzen beschrieben. Langzeitstudien fehlen, ebenso wie eine metaanalytische Bewertung des Risikofaktora TG selbst.

Erklärungen:

Sodium-Glukose-(linked)Transport-Hemmer Typ2: hierbei handelt es sich primär um Diabetesmittel, die jedoch unabhängig von der Wirkung auf die diabetische Stoffwechsellage auch eine positive Wirkung auf die Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion haben (HFrEF). Seine Wirkung ist renal (nierenbezogen) und erzeugt eine Rückresorption (Wiederaufnahme) von Natrium (Sodium) und Wasser. Hierdurch wird eine vermehrte Glukose-Ausscheidung induziert, die für die Senkung des Glukosespiegels im Blut verantwortlich ist.

Über die Herzwirkung ist vom Grundsatz her noch nichts bekannt, doch kann dabei die herzschützende Wirkung durch verbesserte Volumenregulation eine Rolle spielen. Die vorhandenen Studien (Emperor, DAPA-HF, Deliver etc.) weisen eine Reduktion der Herzkreislauf-Sterbe- und Hospitalisationsrate von 24% bis 44% nach, sowie eine nierenschützende Wirkung von 25%. “Emperor-preserved” zeigte darüber hinaus einen günstigen Effekt auch auf die andere Form der Herzschwäche (HFpEF) mit erhaltener Auswurfleistung, “diastolische Herzinsuffizienz”), die eine schlecht behandelbare CHI auf der Basis einer zunehmenden muskulären Steifheit war.

Substanzen:

  • Canagliflozin (Invokana ®),
  • Dapagliflozin (Forxiga ®),
  • Empagliflozin (Jardiance ®)
  • Ertugliflozin (Steglatro ®)

Indikationen:

  • Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (neue Studie: Emperor, Deliver)
  • Herzinsuffizienz mit reduzierter Auswurffraktion mit und ohne Diabetes mellitus

Nebenwirkungen:

Bei älteren Menschen ist Vorsicht geboten wegen Blutdrucksenkung, dadurch Nierenverschlechterung und Störung des Wasserhaushalts. Neuerdings wurde gefunden, dass diese Substanzen auch zu einer Erhöhung des Hämoglobin-Gehalts im Blut führen können (> 18 g/dl). Das kann eine erhöhte Thrombosegefahr darstellen und dabei Embolien auslösen (DGIM 2023)

Erklärungen:

Sie bilden als Thrombozytenaggregationshemmer eine eigene Wirkstoffklasse und sind von den Antikoagulantien abzugrenzen.

Substanzen:

  • ASS: Acetylsalicylsäure wirkt analgetisch, antiphlogistisch, antipyretisch und insbesondere thrombozytenaggregationshemmend. 
  • Clopidogrel (Plavix®, Iscover®): wird zur Prävention ischämischer Ereignisse unter anderem bei Patienten mit KHK oder pAVK (insbesondere nach Stent-Implantation) eingesetzt.

Indikationen:

Thromboseprophylaxe nach Herzinfarkt, Stenteinsatz oder Klappersatz,
Transitorische ischämische Attacke TIA.

Nebenwirkungen:

Allgemeine Blutungsneigung bei Überdosierung und während chirurgischer Eingriffe, sodaß sowohl die Dosierung als auch Zeitpunkt der Eingriffsindikation jeweils überprüft werden müssen.