3. Oktober 2023

Die Entzündungen des Herzens

Die Entzündungen des Herzens betreffen in unterschiedlicher Intensität meist alle drei Schichten Perikard (Herzbeutel), Myokard (Herzmuskel) und Endokard (Herzinnenhaut; Herzklappen). Dennoch zeigt sich die Entzündung oft als Betonung einer der drei Schichten, sodaß es für den Arzt notwendig erscheint, sein Augenmerk auf die jeweilige Erscheinungsform (Manifestation) zu richten.

Aktuell wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass nach einer Infektion mit dem SARS CoV2-Virus und/oder nach mRNA-Impfungen (Biontech, Moderna) sehr selten Myokarditis und Perikarditis auftreten können (z.B. JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.13443). Diese heilen (wie übrigens auch andere virale entzündliche Herzerkrankungen) offenbar in der Regel problemlos aus. Das ist auch das Ergebnis einer neuen Hamburger Studie, die einen Multiorgan-Befall (Herz, Gefäße, Nieren, Lunge) an 443 Covid-Patienten nachweisen konnte (DOI: https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehab914). Ein (englisches) Schaubild verdeutlicht dies:


Entzündungen am Herzen können isoliert verlaufen, oder sie sind Teil einer systemischen Infektion. Hier können Immunreaktionen, Viren (Grippe, SARS-CoV2) oder Bakterien eine Ursache sein. Oft verlaufen sie ohne schwerwiegende Symptome (blande).

besondere Ursachen

  • Parodontitis: Es handelt sich um eine häufige Erkrankung des Zahnhalteapparats und entsteht durch bakterielle Besiedlung dieses Bereichs. Sie verläuft lange ohne Symptome und stellt durch Bakterien-Einschwemmung in das Blut (Bakteriämie) einen allgemeinen Risikofaktor dar. Dieser betrifft nicht nur Zahnverlust, sondern kann auch nicht nur Herzentzündungen, sondern auch arteriosklerotische Gefäßerkrankungen bedingen, die durch Entzündungen der Gefäßinnenhaut kompliziert sein können. Die Behandlung besteht vor allem in einer Zahnsanierung.
  • Drogenabhängigkeit (Injektionsrisiko) führt zu Bakteriämie und entzündlichen Veränderungen im Köpers. Das Endokarditisrisiko eines solchen Patienten ist um ein Vielfaches erhöht.
  • Immunschwäche (Infekte, Tumorerkankungen): SARS -CoV2 führt nur selten zu Herz-Entzündungen.

Hier sieht man oft nur EKG-Veränderungen oder hört bei der Auskultation das spezifische systolische Reibegeräusch (Erguss). Oft klingt die Perikarditis auch ohne spezifische Behandlung ab. Bei Übergang in das chronische Stadium kann es zu schwerwiegenden Veränderungen (Verkalkungen) des Perikards kommen. Dabei ist dann die Füllungsfähigkeit de Herzens beeinträchtigt: Rechtsherzinsuffizienz. Diagnostisch führend ist die Unterging mittels Echokardiografie: hier ist der Perikarderguss sichtbar als Spalt zwischen innerer und äußerer Gewebsschicht.

Eine ernste Komplikation ist die Herzbeuteltamponade, bei der der Erguss die Füllung des rechten Herzens stark behindert. Die Folge ist ein Kreislaufschock.

Die akute Form der Myokarditis kann zu plötzlichem Herzkreisaufschock und Tod führen. Die chronische Form kann sich als chronische Herzinsuffizienz zeigen. Die Diagnose einer Myokarditis ist schwierig. Sie ist oft nur eine Verdachtsdiagnose nach Symptomatik, EKG-, Echo- und Laborkriterien (CRP, Troponine) und kann sicher nur durch Myokardbiopsie (Goldstandard) oder bei einer Autopsie gestellt werden. Das MRT ist für die Diagnose inzwischen sehr wichtig; seine Spezifität liegt bei über 90%.

Sie bezieht meist auch die Herzklappen mit ein, die mit akutem oder chronischem Funktionsverlust reagieren. Die akute Endokarditis kann durch plötzlichen Verlust der Klappenschließfähigkeit zu akuter lebensbedrohlicher Überlastung dws Herzen führen (Aorteninsuffizienz)


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