12. April 2024

Geschichtliche Aspekte der Kardiologie

Zu einer umfassenden Darstellung der Herzkreislaufkrankheiten gehört auch der historische Aspekt. Wichtige Beispiele der Entwicklung der Kathetertechnik und ihrer Pioniere, ohne die die moderne Kardiologie undenkbar wäre, müssen Erwähnung finden.

Es begann in der Zeit der griechischen und chinesischen Antike vor mehr als 2000 Jahren. Das Tasten des Pulses und seine Messung über die Zeit war den alten Ärzten wohlbekannt und ein wichtiger Bestandteil einer Untersuchung. In China etwa ist er das bis heute geblieben. Seine Qualitäten (z.B. celer, parvus, regularis – schnell, klein, regelmäßig) geben dem Arzt Auskunft über den Zustand des gesamten Körpers, und so ist das Herz ein Spiegel der körperlichen Gesamtheit. Es wurde auch als Sitz der Seele gedeutet, denn Gefühls- und Stimmungsschwankungen übertragen sich auch auf die gefühlte Herztätigkeit:

Das Herz ist einem schwer, es ist einem leicht ums Herz, das Herz klopft oder es drückt, je nach Gemütslage.

Bei den Griechen waren es Hippokrates von Kos und seine Schule um 460 v. Chr.), dann Aristoteles (384 v. hr.), der den springenden Punkt, das punctum saliens des Herzens, bei einem Kükenembryo entdeckt hatte und damit einer der ersten war, der ein schlagendes Herz in situ erblickte. Es war aber Hippokrates, der die Medizin zu einer wissenschaftlich begründeten Lehre machte und bis heute gültige Verhaltensregeln für den Arzt schuf: den Hippokratischen Eid.

Die bestimmende medizinische Lehre bis in die Neuzeit hinein war die auf Hippokrates zurückgehende Säftelehre, die nicht die Organe, sondern die körperlichen vier Säfte (gelbe und schwarze Galle, Blut, Schleim) in den Mittelpunkt stellte (Humoralpathologie). Die Gesundheit wird demnach durch ein günstiges Zusammenspiel dieser Säfte erzeugt und erhalten (Idiosynkrasie). Das gestörte Zusammenspiel erzeugt dann die Krankheiten. Galenos, Arzt und Physiologe  Galenus von Pergamon (128- 216 n.Chr.) entwickelte diese Säftelehre weiter und leitete daraus das Wechselspiel zwischen Körper und Seele ab, das auch heute wieder aktuell ist. 

Diese Vorstellung   wurde erst durch Zellularpathologie von R. Virchow – also mehr als 2000 Jahre später – endgültig abgelöst.

Es dauerte aber bis in das 17. Jahrhundert, als es William Harvey (1578 – 1657) gelang, im Jahre 1628 den menschlichen Blutkreislauf zu beschreiben und damit die Basis für die moderne wissenschaftliche Medizin und damit auch der Kardiologie zu legen. Es war Marcello Malpighi (1628 – 1694), der diese Erkenntnisse ergänzte den Kapillarkeislauf mit Hilfe der neuen Technik des Mikroskops entdeckte.

Von Anfang bis zur Mitte des 18. Jahrhundert entwickelte sich die Herzmedizin nicht sehr grundlegend weiter. Erst gegen Ende des Jahrhunderts kam Bewegung ins Spiel, verknüpft mit den Namen von Laennec und Auenbrugger.

Im Beginn des 19. Jahrhundert erschien ein erstes Lehrbuch der Herzkrankheiten von Corvisart, dem Leibarzt Napoleons. Weitere Namen sind Laennec (1781-1826) und Auenbrugger (1722-1809), die die Methoden der Auskultation und Perkussion in die medizinische Untersuchung einführten.